Die Wichtigkeit des Nichtstuns

Letzte Woche war ich im Urlaub. Und habe ein paar Tage lang weder Instagram noch den Blog genutzt. Und habe mich gleich schuldig gefühlt. Eigentlich wollte ich am Wochenende noch einen Artikel veröffentlichen. Ich habe es dann aber nicht mehr geschafft. Und habe mich dann gefragt, warum das eigentlich ein Problem für mich ist. Warum haben wir das Gefühl, immer leisten zu müssen?

 

Vor kurzem habe ich eine bekannte deutsche Influencerin kennengelernt. Mit über 300 Tausend Instagram-Followern und einem großen und viel gelesenen Fashion-Blog ist sie sehr erfolgreich in dem was sie tut. Und auf den ersten Blick erscheint ihr Leben sehr erstrebenswert zu sein: Sie ist selbstständig, verdient und gut und ist sehr bekannt. 

 

Gleichzeitig wurde mir aber auch bewusst, wie viel Arbeit tatsächlich hinter so einem Erfolg steht. Sie hat ihren Blog vor 7 Jahren gestartet und seitdem unermüdlich auf diesen Erfolg hingearbeitet. Urlaub? Freie Zeit? Einfach mal nichts tun? Fehlanzeige.

Sie arbeitet sieben Tage die Woche und erzählte mir, dass sie und ihr Freund sich für die Zukunft vorgenommen haben, zumindest jeden zweiten Sonntag frei zu nehmen. 

 

Um Kontakt mit dem Followern zu halten, werden täglich zusätzlich zu den Blog- und Instagram-Posts mehrere Stories veröffentlicht, die die Follower mit in den Alltag nehmen bzw. die aktuelle Arbeit zeigen. Der selbsterstellte Redaktionsplan sieht fünf Artikel die Woche vor, die geschrieben werden müssen – nicht zu vergessen die begleitenden Fotos, die produziert und bearbeitet werden. Dazu kommen bezahlte Kooperationen und Zusammenarbeiten.  Viel Zeit bleibt da nicht mehr übrig. Und besagte Influencerin berichtete mir auch: so glamourös ihr Leben erscheint und so sehr sie es genießt, in einem Bereich arbeiten zu könne, den sie sich selbst ausgesucht hat, so anstrengend ist es auch. Zeit für Freunde und zum Entspannen ist Mangelware. Denn es muss ja immer weiter gehen.

 

Der Dopamin-kick der ständigen Erreichbarkeit

Und sie ist kein Einzelfall. Gerade bei Bloggern und Influencern verwischt die Grenze zwischen Arbeit und Privatleben häufig sehr stark. Und auch in anderen Branchen wird immer mehr Leistung und ständige Verfügbarkeit erwartet. Und sogar die Freizeit wird durchgeplant, sozial wollen wir ja auch „erfolgreich“ sein und dazu gehören. Und selbst wenn wir im Café sitzen, sind wir beschäftigt – arbeiten entweder am Laptop oder haben zumindest das Smartphone in der Hand. Die ständig neuen Nachrichten geben uns immer wieder einen Dopamin-Kick und machen es schwer einfach aufzuhören.

 

Nichtstun = Faul?

Nichtstun ist nicht akzeptiert. Es ist unverantwortlich und Zeitverschwendung. Jemand der viel beschäftigt ist, wirkt als würde er etwas Wichtiges tun. Wir fühlen uns also schuldig, wenn wir nichts tun. Gleichzeitig führen die ständige Verfügbarkeit und das geforderte Multitasking zu Stress. Die permanenten Signaltöne aktivieren die Stresshormone und setzen unsere  Kampf-und-Flucht-Reaktion in Gang; der Herzschlag erhöht sich, unsere Atmung wird flacher, die Schweißdrüsen öffnen sich, unsere Muskeln spannen sich an. Solche Reaktionen sind dazu gedacht, aus Gefahrensituationen zu entkommen, nicht um einen Text von einem Kollegen oder einem Freund zu lesen. Jedes Mal schießt das Stresshormon Cortisol in die Höhe.

 

In einer kürzlich veröffentlichten Studie haben Psychologen und Computerwissenschaftler eine ungewöhnliche und beunruhigende Verbindung festgestellt: Je mehr die Leute tippen, klicken, scrollen oder auf Social Media sind, desto unruhiger werden die Hirnsignale. 

 

Nichtstun ist wichtig für die Gesundheit

Die Gefahr des immer verfügbar seins und immer arbeiten müssen ist, dass wir die Verbindung zu uns selbst verlieren. Denn Nichtstun ist tatsächlich wichtig, um Kreativität und persönliche Weiterentwicklung zu ermöglichen. Langeweile ist ein wichtiger Trigger für die Vorstellungskraft und neue Ideen. Der Legende nach, verstand Isaac Newton das Gesetz der Schwerkraft als er unter einem Apfelbaum saß und sich ausruhte. Und Alber Einstein war bekannt dafür, stundenlang in seinem Büro zu sitzen und ins Leere zu starren. Unser Gehirn braucht Pausen und Ruhe, um Neues entwickeln zu können. Zeit in der Natur zu verbringen, trägt zur Funktionsweise unseres Gehirns bei und erhöht sogar unsere Leistungsfähigkeit.

 

Nichtstun ist also nicht faul, sondern notwendig und gesund. Und trägt sogar dazu bei, dass wir besser und effektiver arbeiten. Also: Nimm dir Zeit für dich. Zeit frei von Ablenkung durch Handy oder Computer. Zeit in der Natur. Zeit mit Freunden und Familie. Zeit zum Meditieren. Zeit zum Lesen. Zeit zum sein. 

 

Und abgesehen davon, tun wir auch etwas wenn wir nichts tun. Nichtstun ist definiert als nichts "nützliches" tun. Und dieses "nützlich" bezieht sich meist auf "nützlich" für jemand anderen bzw. ist sehr zukunftsorientiert. Aber nutzt es UNS wirklich? Das ist eine andere Frage. Nichtstun bedeutet also eigentlich Zeit für dich im Jetzt zu leben und präsent zu sein. Zeit lebendig zu sein.

 

Tu was dir gut tut. Das ist kein Luxus, sondern dringend notwendig!

Kennst du das? Fällt es dir schwer, mal einfach nichts zu tun? Hinterlass mir gerne hier oder bei Instagram einen Kommentar oder schreib mir eine Nachricht. Ich freue mich, von dir zu hören!

 

In diesem Artikel findest du übriges ein paar Tipps zum Entspannen und runterkommen: 

Selbstfürsorge: 11 Tipps für mehr Entspannung im Alltag

 

Love

Helen

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