Essen und Gewichtszunahme - Heilung deiner Hypothalamischen Amenorrhoe

Essen und Gewichtszunahme - Heilung deiner Hypothalamischen Amenorrhoe - Ich mit Eis

Wenn du meinen letzten Artikel zur Heilung von HA gelesen hast, dann weißt du schon, dass ein wichtiger Schritt der Heilung ist, die Energieaufnahme zu erhöhen. Rein kognitiv kann man das vielleicht verstehen – es aber wirklich zu wollen und in die Tat umzusetzen ist eine andere Sache.

 

Wenn du immer noch zweifelst, immer noch denkst, dass du unmöglich mehr essen kannst, immer noch nicht deinen Lebens- und Ernährungsstil aufgeben möchtest, dann erinnere dich: Heilung ist möglich. Es erfordert aber Veränderung.

 

If you always do what you've always done, you will always get what you've always got.

Ich bekomme immer mehr Nachrichten von euch, die sich um ähnliche Themen drehen: Die Periode bleibt aus und du weißt, dass etwas nicht stimmt. Aber eigentlich bist du ja gesund. Und mehr essen bzw. anderes essen klingt zwar irgendwie logisch, aber so ganz kannst du es dir noch nicht vorstellen.

 

Vielleicht gefällt dir dein Körper auch eigentlich gut so, wie er ist. Und du lehnst die Vorstellung, mehr essen und zunehmen zu müssen, deshalb ab. Ich kenne das. Das sind alles Gedanken, die ich mir mehr oder weniger bewusst auch gemacht habe. 

 

Die Lösung ist: Intention setzen - oder: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.

Das wichtigste ist, sich über die eigenen Ziele und Intentionen im Klaren zu sein. Frag dich selbst: Möchtest du deine Tage wiederbekommen? Möchtest du gesund werden? Warum möchtest du das? Wofür? Erinnere dich an deine fünf Gründe aus dem letzten Artikel.

 

Denn häufig ist es, dass wir zwar denken, dass wir gesund werden wollen und kognitiv scheint uns das sinnvoll und „richtig“ – Aber andererseits hängen wir auch an dem Bild, dass wir und andere von uns haben. Als disziplinierte, gesunde, kontrollierte, sportliche Frau. 

 

Was werden andere denken, wenn wir unser Essverhalten ändern? Was werden andere denken, wenn wir zunehmen? Und wer werden wir dann überhaupt noch sein, wenn wir dieses Bild von uns, das wir so mühsam aufgebaut haben, aufgeben?

 

Es gibt keine "schlechten" Lebensmittel. Nahrung ist immer eine Form von Energie.

Viele von uns fühlen sich wohl damit, gesund und „clean“ zu essen. Das Problem an diesem Essverhalten ist, dass es uns füllt, ohne uns mit ausreichend Energie zu versorgen. Das heißt, im Zweifelsfall musst du nicht „mehr“ essen, sondern „anders“. Vielleicht hast du bestimmte Nahrungsmittel eingeschränkt, möglichst wenig Kohlenhydrate, fettarm, Keto oder Paleo gegessen. Es ist wichtig deinem Körper alle Nährstoffe zuzuführen. Jede Nahrungsmittelgruppe ist wichtig und wirkt sich auf unterschiedliche Weise auf die Funktionsweise des Körpers und dein Hormongleichgewicht aus. Beispielsweise sorgen hohe Glukose-Werte im Blut dafür, das im Hypothalamus mehr Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH) ausgeschüttet wird, was dafür sorgt, dass mehr FSH und LH produziert werden und in der Folge deine Follikel wachsen (mehr zum weiblichen Zyklus hier). Dein Blutzuckerspiegel steigt durch die Aufnahme von Kohlenhydraten – Kohlenhydrate sind somit sehr wichtig, um deinen Zyklus wieder in Gang zu bringen du ihn zu stabilisieren. 

 

Letztendlich ist es wichtig, ausgewogen und abwechslungsreich zu essen. Und wieder zu entdecken, dass es keine „schlechten“ oder „ungesunden“ Nahrungsmittel gibt. Zumindest für die Zeit deiner Heilung solltest du alles essen – jede Form von Nahrung führt deinem Körper Energie zu. Dein Körper setzt die zugeführte Energie dann um, um Selbstheilungsprozesse in Gang zu setzen 

 

Zudem scheint es auch wichtig zu sein, keine größeren „Fastenphasen“ zu haben. Vielleicht versuchst du größere Mahlzeiten auszugleichen, in dem du davor oder danach weniger isst. Zum Beispiel über den Tag wenig essen, um dann abends richtig gut essen gehen zu könne. Tatsächlich wirkt sich auch das negativ auf unseren Hormonspiegel aus. Jede Form von Einschränkung wirkt sich auf die Hormone aus – insbesondere wenn der Hormonhaushalt ohnehin aus dem Gleichgewicht geraten ist. Eine Studie, in der die Energiezufuhr nur 5 Tage eingeschränkt wurde, konnten bereits signifikante Veränderungen in Hormonen wie LH, Insulin und Cortisol festgestellt werden. 

 

Jeder Tag ist wichtig. Jeder Tag ist ein Neubeginn.

Und wie viel du heute essen darfst, hängst nicht davon ab, wie viel du gestern gegessen hast oder wie viel du morgen essen wirst. Oder sogar wie viel du später am Tag essen wirst. Für die Heilung von HA scheint es wichtig zu sein, regelmäßig zu essen und keine Hungerphasen entstehen zu lassen. 

 

Dein Körper war lange genug im „Notfall-Survival-Modus“, für die Heilung ist wichtig, deinem Körper zu signalisieren, dass er sicher ist. 

 

Wenn es für dich einfacher ist, fang langsam an. Iss jeden Tag etwas, das dich unwohl fühlen lässt. Du wirst merken, dass es ok ist. Bestell, wenn du essen gehst, was du wirklich essen willst und nicht das, wovon du glaubst, dass es am ehesten zu deinem „Ernährungsplan“ passt.

 

Du kannst nicht zu viel essen.

Es kann passieren, dass du, wenn du anfängst mehr zu essen, anfänglich noch mehr Hunger bekommst. Und das Gefühl hast, die ganze Zeit essen zu wollen. Das ist normal. Denn dein Körper ist dankbar, endlich wieder mehr Energie zugeführt zu bekommen und nimmt alles, was er bekommen kann. Deine Hungerhormone steigen zunächst automatisch an. Versuch zu akzeptieren, dass dein Körper gerade einfach viel braucht, um zu heilen. Das ist in Ordnung und es ist normal. 

 

Trotzdem ist es uns der Gedanke zuzunehmen wahrscheinlich unangenehm. Wie bereits hier geschrieben, wird es von der sogenannten Wellnesskultur und der Leistungsgesellschaft gefördert, dass wir glauben „fett“ zu sein wäre ungesund und jeder sollte versuchen „dünn“ und gesund zu sein. Und kann ich dir aus eigener Erfahrung sagen, dass es für den weiblichen Körper im Zweifelsfall alles andere als gesund ist, dünn zu sein. 

 

Dein Körper hat einen bevorzugten Gewichtsbereich, indem er gesund ist und am besten funktioniert.

Es ist schwer zu sagen, wie viel du zunehmen wirst und musst, um deine Periode wieder zu bekommen. Es hängt letztendlich von dem Gewichts-Set-Point deines Körpers ab. Das Prinzip dahinter ist, dass dein Körper einen bevorzugten Gewichtsbereich hat, indem er gesund ist und am besten funktioniert. Wenn du deine Tage nicht bekommst, ist das ein eindeutiges Zeichen, dass du außerhalb dieses Bereichs liegst – selbst wenn du dein aktuelles Gewicht eigentlich magst. Aber letztendlich weiß nur dein Körper, was das „richtige“ und „gesunde“ Gewicht für dich ist. Das schöne ist also, dass du deinem Körper letztendlich vertrauen kannst. Denn du wirst nicht „unendlich“ zunehmen. Wenn du wieder ein für dich gesundes Gewicht erreicht hast, wird sich dein Gewicht einpendeln und auch entsprechend dein Hungergefühl reguliert. 

 

Was du erwarten kannst:

Es kann sein, dass du dich am Anfang aufgebläht fühlst und eventuell schnell ein paar Kilo zunimmst. Dabei handelt es sich unter anderem um Wassereinlagerungen, die dein Körper benötigt, um Heilungsprozesse umzusetzen. Die Wassereinlagerungen verschwinden nach ein paar Wochen von allein wieder. Zu den Blähungen habe ich hier schon etwas geschrieben – tatsächlich kann es helfen, eine Weile lang kleinere Portionen an Gemüse zu dir zu nehmen. Mir hat es geholfen. Und satt bin ich trotzdem geworden, einfach dadurch dass ich mehr energiereiche Nahrungsmittel und Kohlenhydrate zu mir genommen habe (Hallo Nudeln und Reis!).

 

Zudem ist Müdigkeit eine mögliche Begleiterscheinung. Du isst mehr und bewegst dich weniger und trotzdem bist du müder? Wie kann das sein?

Dein Körper ist einfach im Selbstheilungsmodus und fordert von dir die Ruhe ein, die er braucht.

 

Es kann außerdem sein, dass du das Gefühl hast, zunächst nur am Bauch und um die Körpermitte zuzunehmen. Tatsächlich ist auch das ein ganz natürlicher Mechanismus, da der Körper versucht, die inneren Organe durch ein wenig Fett zu schützen. Auch das reguliert sich mit der Zeit und ist Teil des Heilungsprozesses. Und du bist nicht allein damit. 

 

Also:

  • Es gibt keine schlechten, ungesunden oder falschen Lebensmittel. Hör auf deinen Körper und iss was du willst. Jede Form von Energie ist gut und hilfreich. Dein Körper weiß besser als dein Kopf, was du brauchst!
  • Iss mehr energiereiche Nahrungsmittel wie Avocado, Nüsse, Öle, Süßkartoffeln, Kohlenhydrate.
  • Iss regelmäßig und in ausreichender Menge.
  • Versuch am Anfang mindestes 2500 Kalorien (als Orientierungswert) zu dir zu nehmen. Mehr geht immer. (Lies hier zum wissenschaftlichen Hintergrund der Notwendigkeit der Gewichtszunahme.)
  • Vertrau deinem Körper wieder. Iss so viel du willst. Es kann nicht zu viel sein. Und dein Hungergefühl wird sich von selbst wieder regulieren. Wenn du lernst deinem Körper wieder zu vertrauen, wird auch dein Körper dir wieder vertrauen. 

Ich freue mich von deinen Erfahrungen zu hören - schreib mir gern hier oder bei Instagram!

 

Bis bald,

 

Love

Helen

 

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