Weshalb Journaling heilsam ist und wie du es für dich nutzen kannst

Journaling ist kein Geheimtipp mehr. Vielmehr ist es in aller Munde und Teil der Selfcare-Bewegung geworden. Aber warum eigentlich?

 

Ich schreibe mittlerweile auch seit einigen Monaten jeden Morgen in mein Journal. Es ist Teil meiner Routine geworden, seitdem ich Julia Cameron´s „The Artist´s Way“ gelesen und ihr 12-wöchiges-Programm durchgeführt habe. Teil dessen ist es, jeden Morgen drei Seiten „Morning Pages“ zu schreiben. 

 

Der Gedanke hinter Journaling ist, dass uns schreiben hilft, innere Blockaden aufzulösen und Klarheit zu gewinnen. Wie ich bereist in diesem Artikel zum Entscheidungen treffen geschrieben habe,  halten uns oft Selbstzweifel davon ab, Dinge zu tun. Weil wir davon überzeigt sind, noch nicht so weit oder noch nicht gut genug zu sein. Beim Journaling geht es deshalb überhaupt nicht darum, etwas zu schaffen – jeder Anspruch an Qualität oder Leistung wird zurückgestellt. 

Es soll einfach jeder Gedanken auf Papier gebracht werden. 

 

Das Prinzip von Journaling ist es, unsere Gedanken nieder zu schreiben, um so den Kopf frei zu bekommen. Du darfst deine schlimmsten Gedanken aufschreiben, frei von Bewertung. Du darfst all deine Zweifel loswerden. Und gleichzeitig all deine „verbotenen“ Träume  auf Papier bringen. Alles ist erlaubt.

 

Journaling kann uns helfen, wieder Kontakt zu uns selbst aufzunehmen.

Indem du dir erlaubst zu schreiben, beginnst du auch wieder zuzuhören. Und du beginnst besser zu verstehen, was dich beschäftigt und was du eigentlich willst. Somit kann Journaling nicht nur helfen, Einsichten zu erlangen, sondern auch Veränderung anstoßen und ermöglichen. 

 

Es ist erwiesen, dass Journaling therapeutische Wirksamkeit hat.

Der Pionier in diesem Forschungsbereich ist James Pennebaker, der mehrere Bücher zu diesem Thema geschrieben hat. Und auch Meta-Analysen konnten mittlerweile zeigen, dass Journaling unser Immunsystem stärkt, den Schlaf verbessert, Schmerzen verringern kann, die Lungenfunktion bei Asthma stärkt, nach Trennungen und Todesfällen die Trauerverarbeitung verbessert und zu einem besseren Umgang mit Stress führt. Einige Studien konnten zudem zeigen, dass sich Journaling sehr positiv auf die Verarbeitung von Traumata auswirkt. 

 

Mir hat Journaling tatsächlich auch sehr bei der Heilung meiner Hypothalamischen Amenorrhoe geholfen. Wie ich bereits hier geschrieben habe, habe ich mich lange Zeit selbst blockiert. Beim täglichen Schreiben habe ich gelernt, ehrlicher mit mir selbst umzugehen und auch unangenehme Gedanken an- und hinzunehmen. 

Bedrückende Gedanken oder Ängste versuchen wir häufig eher zu unterdrücken oder wegzuschieben. Wir wollen uns nicht damit auseinandersetzen, denn sie machen uns ja Angst. Aber negative Gedanken zeigen uns eigentlich nur, wo genau unsere Blockaden liegen. Journaling gibt uns die Möglichkeit, diese Gedanken ein wenig genauer anzuschauen. 

 

Woher kommen die Gedanken? Was lösen sie aus? Wovor hast du wirklich Angst? Wo lehnst du Teile von dir selbst ab?

Indem du dir unangenehme Gedanken genauer anschaust und sie da sein lässt und akzeptierst, werden sie weniger bedrohlich. Und du kannst von ihnen lernen, welche Glaubensgrundsätze ihnen zugrunde liegen, die dich blockieren. 

 

Es geht nicht darum, negative Gedanken loszuwerden, denn sie haben ihre Berechtigung und ihren Zweck. Vielmehr geht es darum, dich zu fragen, wo sie herkommen und an deinen Grundüberzeugungen und deinem Selbstbild zu arbeiten. 

 

 

Du reagierst gereizt auf / hast Angst vor Kritik? Du bist missgünstig, schadenfroh oder neidisch? Hast du vielleicht eigentlich Angst davor, nicht gut genug zu sein?

Gib deinen Gedanken und Gefühlen Raum. Beginn dir selbst wieder zuzuhören. Lös deine Blockaden. Und dann erlaube dir, entsprechend zu handeln. Vielleicht zunächst nur auf dem Papier. Mal dir aus, wie es sein könnte, was du tun könntest. Wer du sein möchtest. Und wer weiß – vielleicht möchtest du es dann auch in die Realität umsetzen. Indem wir uns erlauben Gefühle und Gedanken wahrzunehmen und auszudrücken, kommen wir uns selbst wieder näher. Und kommen so in Kontakt mit unserer Kreativität, unserem Selbst und unserer Kraft.

 

How to Journal

  • Nutze Stift und Papier: Journaling funktioniert am besten, wenn du es ganz klassisch handschriftlich mit einem Stift auf Papier machst. Das fördert die Konzentration und trainiert dein Gehirn. Also kauf dir ein schönes Notizbuch – dann  macht es nämlich noch mehr Spaß.
  • Mach es zum Teil deiner Routine: Such dir einen Zeitpunkt deines Tages aus, zudem du regelmäßig schreiben kannst. In Ruhe, möglichst ungestört. Bei mir ist das morgens, gleich nach dem Aufstehen. Ich profitiere davon den ganzen Tag, ich fühle mich nämlich tatsächlich viel klarer und irgendwie „aufgeräumter“. Eine andere Möglichkeit wäre abends vor dem Schlafen, als Reflexionsmöglichkeit über den Tag.
  • Plane ausreichend Zeit ein: 15 Minuten solltest du mindestens schreiben. Fang an und setz den Stift erst wieder ab, wenn die Zeit abgelaufen ist. Alternativ kannst du eine Seitenanzahl festlegen. Ich schreibe täglich drei Seiten und höre erst auf, wenn diese gefüllt sind.

     

  • Sei ehrlich: Schreib all deine Gedanken auf. Und dann lass sie ruhen. Das heißt, lies sie erst einmal nicht mehr. Nach ein paar Wochen, kannst du mal zurückblättern, aber grundsätzlich ist es sinnvoll, die Einträge erst einmal nicht zu lesen. Die Gefahr ist, sich selbst doch wieder zu bewerten.

 

Und worüber sollst du nun eigentlich schreiben?

Grundsätzlich geht es darum, die Gedanken einfach fließen zu lassen und alles aufzuschreiben, was dir in den Kopf kommt. Egal wie sinnvoll oder langweilig das ist.

Es ist aber auch möglich, zu bestimmten Themen zu schreiben.

  • James Pennebaker konnte so zeigen, dass es sehr gute Effekte hat, zu belastenden Ereignissen vier Tage in Folge jeweils 15-20 Minuten zu schreiben. 
  • Maya Tiwari beschreibt in ihrem Buch „The Path of Practice“ ein sechswöchiges Journaling-Programm zum Aufarbeiten der Beziehung mit der eigenen Familie. Jede Woche ist einem Thema gewidmet, dem du deinen Journaling-Einträge widmest.
  • Dankbarkeits-Journaling ist ebenfalls eine schöne Übung. Dabei schreibst du alles auf, wofür du an dem Tag oder generell in deinem Leben dankbar bist.

 

Es gibt viele Möglichkeiten, Journaling umzusetzen. Das wichtigste, grundlegende Prinzip ist: du kannst nichts falsch machen. Alles ist gut.

 

Ich kann dir nur empfehlen, es mal auszuprobieren. Mir hilft es sehr uns es ist fester Teil meiner Meditationspraxis. Berichte mir gerne von deinen eigenen Erfahrungen. Ich freue mich, von dir zu hören!

 

Love

Helen

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