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Was Stress mit unseren Hormonen macht - Den eigenen Körper verstehen // Teil 1

Dieser Artikel ist der erste Teil einer Reihe von Artikeln, die ein bisschen persönlicher werde. Es wird um Frauengesundheit, den weiblichen Körper und Zyklus und auch meine eigenen Erfahrungen gehen. Als ich Ende 2017 diesen Blog gestartet habe, waren diese Themen mit Grund, dieses Projekt überhaupt ins Leben zu rufen. Dann habe ich festgestellt, dass ich die Idee Persönliches über mich öffentlich zu teilen zwar immer noch gut finde, dass ich es mir dann aber doch einfacher vorgestellt habe als es dann tatsächlich ist, wirklich darüber zu schreiben. Vor allem wenn diese erstens nicht optimal laufen und zweitens auch noch relativ intim sind.

 

Fast anderthalb Jahre später bin ich nun doch so weit. Vor allem weil ich davon überzeugt bin, dass es Themen sind, über die viel mehr gesprochen werden sollte, die kein Tabu darstellen sollten. Und weil ich hoffe, damit andere zu erreichen, denen es ähnlich geht und zu teilen, was ich mittlerweile gelernt habe.

 

Der heutige Artikel ist erst einmal ein Einstieg in das Thema Stress und was dieser im (weiblichen) Körper anstellen kann. Der nächste Artikel wird dann zu Zyklusstörungen und meinen eigenen Erfahrungen damit sein. Ich werde mehr zu meinem eigenen Essverhalten und meiner Beziehung zu Essen und meinem Körper in der Vergangenheit schreiben. Und teilen, was mir geholfen hat, zu mir zurückzufinden und meinen Körper wieder wertzuschätzen und zu heilen.

 

 

Was ist Stress?

 

Wenn der Körper einer Belastung oder Bedrohung ausgesetzt wird, reagiert er mit einer Reihe von physiologischen Veränderungen, die als Stressreaktion oder einfach als Stress bezeichnet werden. Hans Seyle, der in den 1950er Jahren als erster die Stressreaktion beschrieb, erkannte schnell ihre zwei Seiten: Kurzfristig erzeugt sie adaptive Veränderungen, die dem Körper helfen, auf den Stressor zu reagieren (z.B. Mobilisierung von Energievorräten, Entzündungshemmung und Infektionsabwehr); langfristig führt sie aber zu Veränderungen, die schädlich für den Organismus sind. Seyle führte diese Stressreaktion auf eine Aktivierung der sogenannten Stressachse zurück, eine hormonelle Aktivierungskette im Körper.

 

Stress hat einen großen Einfluss auf unseren Hormonhaushalt und damit auch auf den weiblichen Zyklus. Vereinfacht dargestellt, nimmt Stress direkten Einfluss auf den Hypothalamus, das hormonelle Kommandozentrum des Gehirns. Der Hypothalamus ist ein kleiner Bereich im Gehirn, der etwa die Größe einer Mandel hat. Er verarbeitet Informationen aus dem Rest des Körpers und steuert die Ausschüttung verschiedener Hormone, die unsere Nahrungsaufnahme, Körpertemperatur, Schlaf, Durst und das reproduktive System kontrollieren.

 

Eine Aufgabe des Hypothalamus ist die Steuerung des vegetativen Nervensystems. Dieses besteht aus dem Sympathikus, dem Zustand von Aufmerksamkeit und Fluchtbereitschaft und, im Gegensatz dazu, dem Parasympathikus, dem Ruhezustand. Außerdem ist er Ausgangspunkt der sogenannten „Stressachse“ des Körpers. Über die Ausschüttung von Botenstoffen triggert der Hypothalamus so die Freisetzung von Hormonen im Hypophysenvorderlappen. Darüber werden u.a. die Bildung von Glukokortikoiden (z.B. Cortisol – das „Stresshormon“) und Sexualhormonen reguliert. Stress beeinflusst die  Hormonsysteme des Körpers also  auf verschiedenen Ebenen.

 

Sexualhormone

 

Ein normaler menstrueller Zyklus wird durch ein Netzwerk von Hormonsignalen gesteuert, die das Follikelwachstum und dann den Eisprung anregen. Gleichzeitig wird die Gebärmutterschleimhaut aufgebaut. Wenn es nicht zur Einnistung durch eine befruchtete Eizelle kommt, wird diese Schleimhaut abgestoßen und es kommt zu einer Menstruationsblutung. Und der Zyklus beginnt von neuem. Den genauen Ablauf eines gesunden weiblichen Zyklus habe ich in diesem Artikel beschrieben, lies gerne hier nach, um genauer zu verstehen, wovon ich hier spreche.

FSH (folikelstimulierendes Hormon) und LH (luteinisierendes Hormon), Östrogen und Progesteron sind die Hormone die den weiblichen Zyklus regulieren.

Durch Stress vermindert sich die Ausschüttung von Sexualhormonen und ein Eisprung wird somit weniger wahrscheinlich.

 

Cortisol

 

Der Einfluss von Stress auf den weiblichen Zyklus geht jedoch noch weiter. Stress erhöht die Ausschüttung von Cortisol. Cortisol ist ein überlebenswichtiges Hormon, das unseren Körper in Kampf bzw. Fluchtbereitschaft versetzt und uns hilft schwierige Situationen, Belastungen und Gefahren zu überstehen. Cortisol schärft die Aufmerksamkeit und erhöht den Blutzuckerspiegel, um die Muskulatur mit Energie zu versorgen. Kurzfristig ist die Ausschüttung von Cortisol also von Vorteil und macht uns widerstandsfähiger.

Langfristig ist diese andauernde Anspannung und körperliche Bereitschaft jedoch belastend. Andauernd hohe Cortisolspiegel schwächen die Muskulatur und das Immunsystem und den weiblichen Zyklus. Zusätzlich bewirkt Cortisol auf die Dauer eine Dysfuktion der Stressachse, die sich in Form von Erschöpfung, Ängstlichkeit, Schlafstörungen, geringem Blutdruck, Schwächung des Immunsystems und geringer Libido, PMS und Zyklusunregelmäßigkeiten äußert.

 

Das ganze kann zu einem Teufelskreis werden, denn weibliche Hormone haben eigentlichen einen ausgleichenden und unterstützenden Effekt auf die Stressachse. Durch Stress reduziert sich die Ausschüttung weiblicher Hormone, es kommt zu Zyklusunregelmäßigkeiten, bei ausbleibendem Eisprung kann der Körper kein Progesteron produzieren und dies wiederum hat eine schwächende Wirkung auf die Stressachse und führt schlussendlich zu mehr Stress im Körper.

 

Unsere Körper sind komplexe Systeme und wir können dankbar sein, dass sie so funktionieren. Denn letztendlich ist diese Stressreduktion eine Selbstschutzmaßnahme. Alle Funktionen, die wir nicht unbedingt zum Überleben brauchen, werden heruntergefahren, um den Körper in der Notsituation zu schützen.

Im nächsten Artikel geht es weiter mit den Auswirkungen von Stress auf den weiblichen Zyklus und auch vor allem darum, was Stress im Körper erzeugt.

 

Ich würde mich freuen, wenn du dabei bleibst!

 

Love

Helen

 

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