Wenn die Periode ausbleibt oder was ist eigentlich Hypothalamische Amenorrhoe?

Wenn die Periode ausbleibt oder was ist eigentlich Hypothalamische Amenorrhoe?

Wenn du deine Periode nicht bekommst ist das erst einmal ein eindeutiges Zeichen, dass etwas in deinem Körper durcheinander geraten ist. Das kann unterschiedliche Ursachen haben. Die einfachste ist natürlich: Du bist schwanger. Das wirst du aber recht schnell herausfinden können. Wenn du aber deine Periode nicht bekommst und dein Frauenarzt keine organische Ursache feststellen kann, wäre eine andere Möglichkeit: Hypothalamische Amenorrhoe (HA). 

 

Der Name beschreibt das Problem ganz gut: einerseits das Symptom (Amenorrhoe: das Ausbleiben der Periode) und andererseits den Ursprung (den Hypothalamus, das Kontrollzentrum des Gehirns). Der Hypothalamus ist eine wichtige „Schaltzentrale" unseres Körpers. Er ist ein Gehirnbereich im Zwischenhirn und befindet sich unterhalb (=hypo) des Thalamus. Der Hypothalamus koordiniert als übergeordnetes Zentrum Wasser-, Salzhaushalt und Blutdruck.  Er sorgt dafür, dass unsere Körpertemperatur konstant bleibt und regelt die Nahrungsaufnahme. Der Hypothalamus beeinflusst unser Gefühls- und Sexualverhalten und bestimmt, wann wir schlafen und wann wir wach sind. Außerdem ist er ein wichtiges Steuerorgan innerhalb des Hormonsystems, denn er reguliert, wann welche Menge eines Hormons gebildet wird. Eine genauere Beschreibung der Funktionsweise des Hypothalamus findest du in diesem Artikel.

 

Gerät dein Hormongleichgewicht aus der Balance, kann das zum Ausbleiben der Menstruation führen.

Es gibt viele Faktoren, die dabei eine Rolle spielen können. Dazu gehören restriktives Essverhalten, Gewichtsverlust, Sport, Stress und auch genetische Komponenten. Tatsächlich ist jeder Körper unterschiedlich und reagiert anders. Das heißt, es lassen sich keine allgemeingültigen Aussagen dazu treffen, wann HA auftritt. In den meisten Fällen ist der Auslöser jedoch ein Energiedefizit durch zu geringe Nahrungszufuhr und zu viel Sport, unabhängig vom Körpergewicht. Allerdings unterscheidet sich von Frau zu Frau, was genau ein Energiedefizit bedeutet. 

 

Dein Energiehaushalt beschreibt das Verhältnis der Energie die du durch Nahrung aufnimmst und der Energie die du verbrauchst.

Energie wird benötigt, um die essentiellen Funktionen des Körpers aufrecht zu erhalten: von der Zellteilung bis zu deinem Herzschlag und der Funktion deines Gehirns. Die verbleibende Energie wird für weniger Wichtiges wie Immunsystem, Körpertemperatur und Haar- und Nagelwachstum verwendet. Erst wenn all diese Bereiche mit ausreichend Energie versorgt sind, fließt die übrige Energie in dein Reproduktionssystem. 

 

All dies verbraucht Energie, ohne dass du überhaupt etwas tust oder dich bewegst (Grundumsatz). Wenn du zusätzlich aktiv bist, braucht dein Körper deutlich mehr Energie, um alle Funktionen aufrechterhalten zu können. 

 

Unser Körper braucht also Energie, um gesund funktionieren zu können.

Wenn du dich dauerhaft in einem Energiedefizit befindest (weil du zu wenig isst und/oder viel Sport machst), fängt dein Körper an, die Energie einzuteilen und eher „unwichtige“ Funktionen einzuschränken, um dein Überleben zu sichern. Und da Reproduktion das ist, was den höchsten Energieaufwand für den weiblichen Körper darstellt, trifft dein Körper Vorkehrungen, damit du nicht schwanger wirst und dich selbst und dein zukünftiges Kind in Gefahr bringen könntest. Ein ziemlich weiser Move von deinem Körper!

 

Etwas was bei einem dauerhaften Energiedefizit auch häufig passiert (und ich kann das aus eigener Erfahrung bestätigen), ist dass dir ständig kalt ist. Der Körper setzt die Energie eben für wichtigere Dinge ein, als dafür zu sorgen, dass dir warm ist. Auch Haarausfall und brüchige Nägel können ein Hinweis sein, ebenso wie Infektanfälligkeit und ein schwaches Immunsystem. Dein Körper hat eventuell einfach nicht genug Energie zur Verfügung, um all diese Bereiche ausreichend zu versorgen.

 

Vielleicht hast du sogar das Gefühl, dass du genug isst, immer bis du satt oder „voll“ bist und manchmal sogar über dein Hungergefühl hinaus Nahrung aufnimmst. Aber ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass es einen Unterschied zwischen „viel essen“ und „genug Energie aufnehmen“ gibt. Ich habe auch immer riesige Portionen gegessen: Unmengen an Gemüse, Obst und allem was gesund und clean ist. Und habe mich dahinter versteckt und mir letztendlich selbst etwas vorgegaukelt. Es konnte ja nicht sein, dass ich zu wenig esse, oder? Ja und nein. Die Menge war letztendlich zu groß. Und hat in der Konsequenz auch häufig zu Blähungen und Verdauungsproblemen geführt, weil mein Körper diese große Menge an Ballaststoffen gar nicht verwerten konnte. Und trotzdem war es andererseits zu wenig Energie. Denn Möhren und Spinat haben einfach keine besonders hohe Energiedichte. Ich habe mich zwar voll gefühlt, aber meinen Körper nicht das gegeben, was er eigentlich brauchte und wollte: Kohlenhydrate und Fett. 

 

Wichtig ist: Du „musst“ nicht dünn sein, um HA haben zu können.

Tatsächlich ist es nicht so, dass HA erst ab einem bestimmten BMI auftritt. Es geht tatsächlich um das Verhältnis deiner Energieaufnahme im Vergleich zu deinem Energieverbrauch. Restriktives Essen, unabhängig vom Körpergewicht, kann somit ein Auslöser für HA sein. Und restriktiv bedeutet nicht nur insgesamt zu wenig, sondern kann sich auch auf die Einschränkung bestimmter Nahrungsmittelgruppen und Nährstoffe beziehen. Low-Fat, Low-Carb, Zuckerfrei, Intervallfasten – alles was in irgendeiner Form Einschränkung bedeutet und dich davon abhält zu essen was und wann du willst, kann zu HA beitragen.

 

Gewichtsverlust ist ein zusätzlicher Faktor, der zu HA führen kann – wieder aus den bereits genannten Gründen. Aufgrund des dauerhaften Energiedefizits werden reproduktive Funktionen eingeschränkt. Klingt vielleicht blöd und auch unfair, denn warum sind einige Frauen dünn und bleiben gesund und bekommen regelmäßig ihre Tage, während andere ihre Periode verlieren, wenn die Gewicht verlieren? Jeder Körper ist unterschiedlich und trägt seine eigene Weisheit in sich. Jeder Körper hat sein eigenes Idealgewicht, bei dem er am besten funktioniert und gesund ist. Wenn du versuchst, deinen Körper zu einem anderen Gewicht „zu zwingen“ führt das einerseits dazu, dass du in ständigem Kampf mit dir selbst bist und andererseits beginnt dein Körper einfach „überflüssige“ Funktionen einzuschränken, um überleben zu können. 

 

Sport kann sich ebenfalls auf verschiedenen Ebenen auf die Entwicklung von HA auswirken. Erstens steigt dein Energiebedarf. Und zweitens werden Stresshormone ausgeschüttet.

 

Stress kann zu HA führen. Externaler und Internaler Stress. Zu hohe Ansprüche an sich selbst zu haben, zu perfektionistisch sein zu wollen – all das führt zu Stress. Und vielleicht auch dazu, dass du härter mit dir und deinem Körper umgehst, als es dir letztendlich gut tut. Stress wirkt sich über die sogenannte Stress-Achse (Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse) auf dein Hormonsystem aus und kann so auch zum Ausbleiben der Periode beitragen. Und letztendlich könnten alle Faktoren, die zu HA führen unter Stress zusammengefasst werden. Denn alles, was dir nicht gut tut, ist letztendlich Stress.

 

Meistens ist es eine Kombination von verschiedenen Faktoren, die zu HA führen.

Bei mir war es das auf jeden Fall. Ich habe zu wenig Energie zu mir genommen, zu viel Sport gemacht, habe abgenommen und hatte auch Stress in meinen äußeren Lebensbedingungen und war unzufrieden. Und auch die Pille hat eine Rolle gespielt. Mehr zu meiner eigenen Geschichte kannst du hier lesen. 

 

Es ist häufig so, dass verschiedene Dinge eine Rolle spielen, denn viele Frauen die Sport treiben, versuchen gleichzeitig sich möglichst gesund und clean zu ernähren. Manchmal reicht ein einziger Faktor aus, häufig ist es die Summe aus vielen verschiedenen Stressoren, die zu HA führt. Und noch einmal: Jeder Körper ist unterschiedlich. Was für den einen Körper „zu viel“ Sport oder „zu wenig“ Nahrung ist, reicht für den anderen vielleicht aus. Vergleiche bringen sich an dieser Stelle also nicht viel weiter, sondern erhöhen nur dein Stresslevel. Der einzige, der dir sagen kann, was du tatsächlich brauchst, ist dein Körper. Also hör zu: Wenn du Hunger hast, dann iss. Wenn du müde bist, dann ruh dich aus. Oder noch besser, iss auch wenn du keinen Hunger hast und gönn dir so viel Ruhe wie möglich – in diesem Fall gilt tatsächlich: Je mehr, desto besser. Und je effektiver du dich entspannst und dich und deinen Körper gut versorgst, desto schneller wird deine Heilung einsetzen. 

 

Eins ist klar: Das Ausbleiben deiner Menstruation ist ein eindeutiges Zeichen deines Körpers, dass du nicht gesund bist.

Vor allem bedeutet es nicht nur, dass du nicht schwanger werden kannst, sondern hat Auswirkungen auf deinen gesamten Körper. Deine Östrogen- und Progesteronlevel sind zu niedrig und dies führt kurzfristig zu Haarausfall, brüchigen Nägeln, Hautproblemen und Libidoverlust. Langfristig nimmt die Knochendichte ab und Risiken für Demenz und Alterserkrankungen steigen. 

 

Die gute Nachricht ist: HA ist heilbar!

Dein Körper ist ein Wunder. Und verzeiht dir ziemlich viel. Wenn du anfängst wieder mehr auf ihn zu hören und ihm zu geben, was er will und braucht, wird auch deine Periode wieder einsetzen. Das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen!

 

Hast du Erfahrungen mit HA? Bleibt deine Periode auch aus? Vielleicht seitdem du die Pille abgesetzt hast? Schreib mir gerne hier oder bei Instagram einen Kommentar! Ich freue mich, von dir zu hören!

 

Love

Helen

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Larissa (Sonntag, 26 April 2020 08:52)

    Hallo liebe Helen,

    ich leide seit 2012 an einer Essstörung. Meine Magersucht habe ich überwunden. Ich esse nicht so strenge wie noch vor ein paar Jahren und dennoch kontrolliere ich mein Essen sehr. Untergewichtig bin ich nach wie vor und eine Ruhepause gönne ich mir kaum. Ich bin ständig unter Strom um in Bewegung zu bleiben (z.B. durch permanentes und unnötiges Putzen). Vor ungefähr einem halben Jahr habe ich die Pille abgesetzt und warte nun vergebens auf meine Periode. Ich weiß mittlerweile, dass ich auch an HA leide. All die Schritte die auf mich zukommen, um meinen Körper heilen sollen machen mir Angst. Dein Artikel motiviert mich aber sehr. Ich muss die Angst einfach loslassen.

    Liebe Grüße,

    Larissa

  • #2

    Helen @bowlofyoga (Montag, 27 April 2020 09:59)

    Hallo liebe Larissa,

    vielen Dank für deine liebe Nachricht. Ich kann das alles sehr gut nachvollziehen und verstehen. Für mich hört es dich so an, als wärst du auf jeden Fall auf dem richtigen Weg. Für mich war auch der erste und fast wichtigste Schritt, mir selbst einzugestehen, was mein Körper braucht. Der Weg der Umsetzung ist ein Prozess - mal geht es besser, mal weniger gut. Aber letztendlich gehört das alles dazu und ist auch völlig in Ordnung. Mir hat sehr geholfen, mich immer wieder daran zu erinnern, was mein Ziel ist - gesund zu sein.
    Melde dich gerne, wenn du noch Fragen hast. Dann schreib mir am besten eine Mail!

    Alles Liebe und Gute für deinen Weg!
    Helen

  • #3

    Eva (Donnerstag, 07 Mai 2020 06:36)

    Hallo, liebe Helen.

    Ich bin wieder ganz erstaunt, dass mich das Leben mal wieder per "Zufall" dahin gelenkt hat, wohin ich meine Aufmerksamkeit richte. Ich setze mich nach endlich(!) wieder eingesetzter Periode fast zwei Jahre nach Geburt des zweiten Kindes zum ersten Mal in meinem Leben mit meinem Zyklus auseinander. Sehr intensiv. Und verstehe gar nicht mehr wie ich so lange Zeit meinen Körper als etwas Getrenntes von mir wahrnehmen konnte. Ich horchte richtig auf als du davon geschrieben hast, dass nach dem Absetzen der Pille es zu HA kommen kann. Ich habe ebenfalls rein intuitiv die Pille mit Anfang 20 abgesetzt, weil ich spürte, dass sie in mein Seelenerleben eingriff. Danach blieb meine Periode lange aus und es stellte sich heraus, dass ich ein Mirkoprolaktinom entwickelt hatte. Das muss nun keine direkte Ursache der Pilleneinnahme gewesen sein, denn es ist eine seltene Erkrankung. Somit müsste ja jede Frau darunter leiden, die die Pille eingenommen hat/hatte. Aber es könnte ein Indiz dafür sein, dass es eben für Frauen, die diese Problematik in sich tragen das vielleicht übersehen könnten, da die Pille das Problem überdeckt oder aber eventuell eben auch entstehen lässt? Ich weiß es nicht, jedenfalls möchte ich an dieser Stelle nochmals an alle Frauen appellieren: unser Körper kann alles, er sendet uns immer all das Wissen, was wir über ihn benötigen! Hört auf ihn. Er sagt die Wahrheit. Ich habe nach einem Auf-und Ab von Medikamenteneinnahmen wegen des Prolaktinoms (gutartiger Gehirntumor) die Medikamente abgesetzt und angefangen meinen Körper zu fragen was er mir damit sagen wollte. Ich begab mich in eine tiefenpsychologische Therapie. Drei Monate später ging ich zur Kontrolluntersuchung und der Tumor war verschwunden. Bis heute fast sieben Jahre später ist es so geblieben. Unser Körper ist das reinste Wunderwerk! Feiert ihn, liebt ihn!